Eickfier
Eickfier, heute Brzezie, war eine Landgemeinde im historischen Kreis Schlochau. Der Ort lag im nördlichen Teil des Kreisgebietes im Umfeld von Baldenburg, Schönau, Grabau und Flötenstein. Für die Familienforschung ist Eickfier besonders ergiebig, weil sich hier kirchliche Quellen, staatliche Personenstandsregister sowie Hof- und Besitzgeschichte miteinander verbinden lassen.
Eickfier auf einen Blick
- Heutiger Name: Brzezie
- Historischer Kreis: Schlochau
- Evangelisches Kirchspiel: Schönau
- Katholische Kirchengemeinde: Eickfier, St. Laurentius
- Personenstand: eigener Standesamtsbezirk mit erhaltenen Registerbeständen
- Einwohner: 1.110 (1885), 1.136 (1905), 951 (1925)
Ort und historische Entwicklung
Die ältere Überlieferung des Ortes reicht weiter zurück als der moderne Ortsname. Auf der bisherigen Forschungsseite werden als ältere Bezeichnungen Bresekakus bis ungefähr 1590 und anschließend Neudorf genannt; zu Beginn des 17. Jahrhunderts setzte sich demnach die Bezeichnung Eickfier durch. Diese frühe Namensgeschichte soll auf der neuen Seite noch anhand zeitgenössischer Urkunden und Karten genauer belegt werden.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert gehörte Eickfier zum preußischen Kreis Schlochau. Nach dem Ersten Weltkrieg verblieb der größte Teil des Kreises beim Deutschen Reich und wurde zunächst der Grenzmark Westpreußen-Posen beziehungsweise Posen-Westpreußen zugeordnet. 1938 kam der Kreis zur Provinz Pommern. Diese Verwaltungswechsel sind für Familienforscher wichtig, weil Akten eines Ortes heute in unterschiedlichen Archivbeständen liegen können.
Bevölkerung
Eickfier war für ein Dorf des Kreises kein kleiner Ort. 1885 wurden 1.110 Einwohner gezählt, 1905 waren es 1.136. 1925 lag die Einwohnerzahl bei 951. Solche Zahlen helfen nicht nur bei der Ortsgeschichte: Sie zeigen auch, in welchem Umfang Kirchenbücher und Standesamtsregister für einzelne Jahrzehnte Einträge erwarten lassen.
Evangelische Einwohner: Kirchspiel Schönau
Für die evangelischen Familien aus Eickfier ist Schönau der zentrale Kirchort. Taufen, Trauungen und Beerdigungen evangelischer Einwohner wurden dort kirchlich erfasst. Deshalb muss die Forschung zu Eickfier immer gemeinsam mit der Überlieferung des Kirchspiels Schönau betrachtet werden.
Besonders wertvoll sind neben den eigentlichen Kirchenbüchern auch staatlich angefertigte Kirchenbuchduplikate. Original und Duplikat können unterschiedliche Überlieferungswege genommen haben. Dadurch kann ein heute fehlender Jahrgang unter Umständen in einer zweiten Überlieferung erhalten sein. Genau diese Parallelüberlieferung wird für Eickfier und Schönau auf dieser Website systematisch dokumentiert.
Katholische Kirchengemeinde St. Laurentius
Eickfier war zugleich ein bedeutender katholischer Kirchort. Die Vorkriegskirche St. Laurentius war ein Fachwerkbau, der ungefähr 1820 errichtet wurde. Die Pfarrei war nach den konfessionellen Veränderungen seit 1651 von Flötenstein aus verwaltet worden und wurde 1863/64 wieder als eigene Pfarrei hergestellt.
Zur katholischen Kirchengemeinde gehörten zeitweise auch Filial- beziehungsweise Nachbarkirchen. Dadurch taucht Eickfier in der kirchlichen Zuständigkeit anderer Orte auf – beispielsweise war Baldenburg katholisch Eickfier zugeordnet. Für die Familienforschung bedeutet das, dass katholische Einträge zu Personen aus Nachbarorten ebenfalls in Eickfierer Quellen zu finden sein können.
Standesamt und staatliche Personenstandsregister
Neben den Kirchenbüchern ist das Standesamt Eickfier eine zweite zentrale Quellengruppe. Für Eickfier sind Standesamtsregister, Zivilstandsregister und amtliche Kirchenbuchzweitschriften nachgewiesen. Erhaltene Bestände werden heute über verschiedene Archive und genealogische Nachweissysteme erschlossen; teilweise bestehen Verbindungen zu Digitalisaten der polnischen Staatsarchive.
Diese Register sind besonders wichtig für die Zeit nach Einführung der staatlichen Personenstandsbeurkundung. Geburts-, Heirats- und Sterbeeinträge enthalten häufig zusätzliche Angaben zu Eltern, Ehepartnern, Berufen, Wohnorten und Anzeigenden und können deshalb mehrere Generationen miteinander verbinden.
Familie Wehner in Eickfier
Ein eigener Schwerpunkt dieser Website ist die Familie Wehner in Eickfier. Dabei geht es nicht nur um einzelne Lebensdaten, sondern vor allem um die Verbindung zwischen Familie und Hof. Amts- beziehungsweise Freibauernstatus, Landkäufe, Hofübergaben, Renten und Besitzakten können die Familiengeschichte weit über die Angaben eines Kirchenbuches hinaus sichtbar machen.
Michael Wehner
Michael Wehner steht am Beginn eines besonders wichtigen Abschnitts der bisher ausgewerteten Besitzgeschichte. Ein Kauf vom 6. Juli 1751 betrifft zweimal 150 pommersche Morgen Land. Der Vorgang fällt in eine Zeit, in der das Gebiet noch unter polnischer Herrschaft stand. Die genaue rechtliche Einordnung des Erwerbs und die Verbindung zum späteren Hofbesitz sollen anhand der Originalquellen weiter ausgearbeitet werden.
Balzer Wehner
Balzer Wehner übernahm den Hof nach der bisherigen Quellenlage als Minderjähriger. Gerade dieser Umstand macht Vormundschafts-, Hof- und Verwaltungsakten interessant: Sie können Hinweise darauf enthalten, wann der vorherige Besitzer starb, wer die Vormundschaft führte und unter welchen Bedingungen der Besitz für den minderjährigen Erben verwaltet wurde.
Gottlieb Wehner
Gottlieb Wehner, ungefähr 1775–1848, wird in der vorhandenen Familienüberlieferung als Amts- beziehungsweise Freibauer bezeichnet. Zu ihm liegt umfangreiches Schriftgut vor. Dieser Bestand ist besonders wertvoll, weil er möglicherweise nicht nur persönliche Angaben, sondern auch Hofgröße, Besitzrechte, Verpflichtungen, Erbregelungen und Beziehungen zu weiteren Familienmitgliedern dokumentiert.
Höfe, Land und Domänenverwaltung
Für Eickfier soll deshalb neben der klassischen Genealogie eine eigene Besitzgeschichte entstehen. Interessant sind insbesondere Hofverträge, Domänen- und Rentenakten, Grundsteuer- und Gebäudesteuerunterlagen, Liegenschaftsbücher sowie mögliche Kataster- und Kartenbestände. Solche Quellen können zeigen, wo ein Hof lag, wie groß er war, wann er geteilt oder übertragen wurde und welche Abgaben beziehungsweise Rechte mit ihm verbunden waren.
Die Begriffe Amtsbauer und Freibauer werden in den vorhandenen Unterlagen nicht immer einheitlich verwendet. Auf der Website sollen diese Bezeichnungen deshalb nicht einfach gleichgesetzt, sondern jeweils zusammen mit Quelle und Zeitraum erklärt werden.
Weitere erhaltene Akten
In den polnischen Staatsarchiven sind über die eigentlichen Personenstandsquellen hinaus Verwaltungsakten zur katholischen Kirche Eickfier nachgewiesen. Dazu gehören unter anderem Akten zur Verfassung der katholischen Kirche von 1860–1920, Bauakten von 1898–1915, Unterlagen zu Bauten und Reparaturen an Kirche und Pfarrgebäuden von 1888–1921 sowie weitere Bauakten bis 1938. Solche Bestände können Namen von Pfarrern, Handwerkern, Grundstückseigentümern oder Beteiligten enthalten und zugleich ein detaillierteres Bild des Dorflebens liefern.
Nachbarorte und regionale Verbindungen
Eickfier darf genealogisch nicht isoliert betrachtet werden. Besonders wichtig sind Schönau als evangelischer Kirchort, Baldenburg mit seiner katholischen Verbindung zu Eickfier, Flötenstein als älterer katholischer Verwaltungs- und Kirchort sowie Wehnershof für die weitere Wehner-Forschung. Auch kleinere Wohnplätze und Gutsbezirke der Umgebung können kirchlich oder standesamtlich Eickfier zugeordnet gewesen sein.
Was wir für Eickfier noch suchen
- Originale Hof- und Besitzverträge aus dem 18. Jahrhundert
- Domänen- und Rentenbücher sowie Unterlagen zu Amts- und Freibauern
- vollständige Übersicht der erhaltenen evangelischen Kirchenbücher und Duplikate von Schönau
- vollständige Übersicht der katholischen Kirchenbücher von Eickfier
- Standesamtsregister und vorhandene Digitalisate
- historische Katasterkarten und genaue Lage der Höfe
- Einwohner- und Besitzerlisten
- Auswanderungen aus Eickfier, insbesondere in die USA
- historische Fotografien, Ansichtskarten und private Familienunterlagen
Diese Ortsseite wird fortlaufend erweitert. Ziel ist nicht nur eine kurze Ortsbeschreibung, sondern eine möglichst vollständige Verbindung von Ortsgeschichte, Familienforschung und erhaltenen Originalquellen.
Weitere Angaben aus der bisherigen Ortsdokumentation
In der bisherigen Eickfier-Dokumentation wird der Ort mit ungefähr 7 km Entfernung zu Baldenburg und etwa 36 km zu Schlochau beschrieben. Für das Dorf werden außerdem zwei Schulen und drei Gasthöfe genannt. Diese Angaben werden auf der neuen Website als historische Hinweise übernommen und sollen mit weiteren Orts- und Verwaltungsquellen genauer datiert werden.
Als ältere Ortsbezeichnungen werden Bresekakus bis ungefähr 1590, anschließend Neudorf und ab dem frühen 17. Jahrhundert Eickfier genannt. Diese Namensfolge ist ein wichtiger Ansatz für die Suche in älteren polnischen und preußischen Quellen, weil ein und derselbe Ort in Urkunden unter unterschiedlichen Namen erscheinen kann.
Katholische Quellen vor 1860
Die katholische Kirchengemeinde Eickfier war vor 1860 Filialgemeinde von Flötenstein. Die ab 1860 vorhanden gewesenen katholischen Originalkirchenbücher von Eickfier gelten heute als wahrscheinlich im Zweiten Weltkrieg vernichtet. Für die Zeit davor ist deshalb die Überlieferung von Flötenstein besonders wichtig. Nach einer historischen Bestandsbeschreibung existierte dort ein Kirchenbuch mit Geburten 1823–1846, Trauungen 1823–1854 und Sterbefällen 1823–1846 für die damalige Gesamtpfarrei, zu der Eickfier gehörte.
Gesucht: private und amtliche Unterlagen
Auch für Eickfier möchten wir Informationen aus privaten Sammlungen sichern. Besonders wertvoll sind Ahnentafeln, Ahnenpässe, Familienbücher, Urkunden, Testamente, Kauf- und Hofverträge, alte Grundbuchabschriften, Fotos, Ansichtskarten, Schulunterlagen, Einwohnerlisten und handschriftliche Familiennotizen. Solche Unterlagen können Informationen aus heute verlorenen Kirchenbüchern enthalten.