Hammerstein
Hammerstein, heute Czarne, war eine der fünf Städte des Kreises Schlochau und ein wichtiger regionaler Verwaltungs-, Gerichts- und Kirchort. Für die Familienforschung ist Hammerstein besonders ergiebig, weil hier evangelische und katholische Kirchengemeinden, ein eigenes Standesamt und ein Amtsgericht bestanden.
Hammerstein auf einen Blick
- Heutiger Name: Czarne
- Historischer Kreis: Schlochau
- Status: Stadtgemeinde
- Amtsbezirk: Hammerstein
- Amtsgericht: Hammerstein
- Standesamt: Hammerstein
- Evangelische Kirche: Hammerstein
- Katholische Kirche: Hammerstein
- Einwohner: 2.790 (1875), 2.956 (1880), 4.299 (1925), 4.423 (1933), 4.387 (1939)
Stadtentwicklung
Hammerstein wuchs vor allem im frühen 20. Jahrhundert deutlich. Nach dem Ersten Weltkrieg blieb die Stadt beim Deutschen Reich und gehörte zur Grenzmark Posen-Westpreußen; 1938 kam sie mit dem Kreis Schlochau zur Provinz Pommern. Der Bevölkerungsanstieg der Zwischenkriegszeit hing auch mit Zuzug aus den nach 1919 abgetretenen Gebieten und der Erweiterung der Siedlungsflächen zusammen.
1925 wurden mehr als 4.100 Einwohner gezählt. In den frühen 1930er Jahren umfasste die Gemarkung zahlreiche Wohnplätze und Einrichtungen, darunter Bahnhof, Ziegelei, Walkmühle, Forsthäuser und militärische Anlagen. Damit war Hammerstein wesentlich mehr als nur ein kleines Landstädtchen.
Evangelische Kirchengemeinde
Die evangelische Kirchengemeinde Hammerstein wurde nach genealogischen Bestandsangaben um 1525 gegründet. Ein schwerer Verlust trat 1755 ein: ältere Kirchenbücher gingen damals durch einen Brand verloren. Die ab 1755 neu geführten evangelischen Kirchenbücher gelten wiederum als wahrscheinlich im Zweiten Weltkrieg vernichtet.
Für Familienforscher bedeutet das, dass die evangelische Forschung in Hammerstein häufig auf Ersatzquellen angewiesen ist: Kirchenbuchzweitschriften, Standesamtsregister, Familienunterlagen, Grund- und Gerichtsakten sowie regionale Kirchengeschichten. Besonders wichtig ist die Veröffentlichung Kirchengeschichte der evangelischen Gemeinde Hammerstein und Wehnershof von Helmut Adam aus dem Jahr 1933.
Katholische Kirchenbücher
Für die katholische Gemeinde Hammerstein ist die Überlieferung erheblich besser. Erhalten sind Kirchenbücher mit Taufen, Trauungen und Bestattungen ab 1715. Das Diözesanarchiv Köslin weist umfangreiche Reihen bis in das 20. Jahrhundert nach. Für den Zeitraum 1752–1789 existieren zusätzlich digital zugängliche Bestände beziehungsweise Verfilmungen.
Die katholischen Kirchenbücher wurden bis 1829 in lateinischer und anschließend in deutscher Sprache geführt. Für Hansfelde bestand seit der Mitte des 18. Jahrhunderts eine Filialkirche, jedoch ohne eigene Kirchenbücher; entsprechende Einträge sind deshalb in Hammerstein zu suchen.
Standesamt Hammerstein
Die standesamtliche Überlieferung ist besonders wertvoll. Im Staatsarchiv Köslin, Zweigstelle Stolp, sind Geburtsregister von 1900–1920, Heiratsregister von 1900–1939 und Sterberegister von 1900–1938 nachgewiesen. Für spätere Jahre liegen weitere Bestände beim Standesamt Schlochau sowie in Berliner Archiven.
Ein Teil dieser Register ist bereits digital zugänglich. Damit lassen sich für das 20. Jahrhundert Familien oft sehr genau rekonstruieren, einschließlich Eltern, Berufen, Wohnorten und verwandtschaftlichen Beziehungen.
Amtsgericht und regionale Bedeutung
Hammerstein war Sitz eines Amtsgerichts. Das macht die Stadt auch für Familien aus umliegenden Dörfern wichtig. Gerichtsakten können Testamente, Nachlasssachen, Grundbuchangelegenheiten, Vormundschaften, Besitzstreitigkeiten und andere genealogisch wertvolle Informationen enthalten.
Auch mehrere kleinere Orte und Gutsbezirke der Umgebung gehörten gerichtsmäßig oder kirchlich zu Hammerstein. Dadurch tauchen Familien aus dem Umland in Hammersteiner Quellen auf, selbst wenn sie nicht in der Stadt wohnten.
Militärgeschichte und Kriegsgefangenenlager
Hammerstein war im 20. Jahrhundert auch militärisch geprägt. Im Ersten Weltkrieg befand sich hier ein großes Lager für russische Kriegsgefangene. Später entstanden weitere militärische Einrichtungen und Lager. Für Familienforscher können daraus besondere Quellen entstehen, etwa Melderegister, Lagerakten, militärische Unterlagen und Sterberegister.
Welche Quellen sind besonders interessant?
- katholische Kirchenbücher ab 1715
- evangelische Ersatz- und Zweitüberlieferung
- Standesamtsregister ab 1900
- Amtsgerichts- und Nachlassakten
- Grundbücher und Besitzakten
- militärische und Lagerunterlagen
- Adress- und Einwohnerlisten
- historische Karten, Bahnhofs- und Stadtpläne
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